Schiedsrichter/-in für Wirtschaftsstreitigkeiten IHK

Regionaler Zertifikatslehrgang der IHK Akademie München und Oberbayern

Wirtschaftsstreitigkeiten effizient, vertraulich und rechtssicher lösen: Der Zertifikatslehrgang „Schiedsrichter/-in für Wirtschaftsstreitigkeiten IHK“ in Kooperation mit dem Schiedsgerichtshof bei der DIHK (SGH) vermittelt fundiertes Praxiswissen für die professionelle Führung und Begleitung von Schiedsverfahren. Sie erwerben durch diese Weiterbildung rechtliche, strategische und kommunikative Kompetenzen, um als Schiedsrichter/-in, Beisitzer/-in oder juristische Begleitung in nationalen und internationalen Wirtschaftsstreitigkeiten souverän zu agieren.

Methode

Die Vermittlung der Inhalte erfolgt durch eine Kombination aus Fachvorträgen, Arbeit an praxisnahen Fallbeispielen, moderierter Gruppenarbeit sowie interaktiven Simulationen. In ausgewählten Modulen werden typische Rollen im Schiedsverfahren (Schiedsgericht, Parteien, Parteivertreter) anhand eines Musterfalls praktisch erprobt.

Ergänzend erhalten die Teilnehmenden Muster, Checklisten und ausgewählte Arbeitsunterlagen zur unmittelbaren Anwendung in der Praxis.

Kursmaterial für Selbststudium (fakultativ)

  • Vorbereitung auf den Lehrgang (Lernplattform)
  • Konfliktgrundlagen und Konfliktanalyse
  • Gesprächsführung und Kommunikation
  • Verhandlungsstrategien und Verhandlungsmanagement
  • Grundzüge der Wirtschaftsmediation
  • Schiedsgutachten und Adjudikation

Zertifikatsprüfung

Schriftliche Bearbeitung einer Praxisaufgabe, Präsentation und Diskussion in der Gruppe

Nutzen

Unternehmen vereinbaren Schiedsverfahren zur effizienten, vertraulichen und rechtssicheren Beilegung wirtschaftlicher Konflikte. Wer erfolgreich als Schiedsrichter/-in tätig sein will oder beruflich mit Schiedsgerichtsbarkeit befasst ist, benötigt fundiertes Wissen über die rechtlichen, strategisch-organisatorischen und kommunikativen Grundlagen. Der IHK-Zertifikatslehrgang vermittelt diese Kompetenzen, strukturiert und praxisnah. Damit sind Sie bestens vorbereitet, Schiedsverfahren professionell zu führen oder fundiert zu begleiten.

Mit dem erworbenen IHK-Zertifikat können Sie sich als Expert/-in im Bereich der Schiedsgerichtsbarkeit auszeichnen und sind insbesondere befähigt,

  • als Schiedsrichter/-in oder Beisitzer/-in tätig zu werden,
  • Schiedsverfahren als Parteivertreter/-in oder Unternehmensjurist/-in professionell zu begleiten und Ihr Unternehmen oder Ihre Mandantschaft bei schiedsbezogenen Fragestellungen fundiert zu beraten,
  • die Schiedsgerichtsbarkeit sowie andere Formen der alternativen Konfliktlösung im Vergleich zur staatlichen Gerichtsbarkeit fachlich einzuordnen, strategisch zu bewerten und auf dieser Grundlage belastbare Handlungsempfehlungen zu entwickeln, und
  • Verfahren effizient, kostenbewusst und lösungsorientiert zu strukturieren und zu steuern.

Der Lehrgang schließt mit einem IHK-Zertifikat ab, das die besondere Qualifikation im Bereich der Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit dokumentiert. Eine Bestellung als Schiedsrichter/-in ist hiermit nicht verbunden.

Die Weiterbildung versteht sich zugleich als Einstieg in eine weitergehende fachliche Vernetzung im Bereich der Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit. Die Teilnehmenden erhalten Impulse für eine langfristige fachliche Vertiefung und den Austausch mit anderen Praktikerinnen und Praktikern.

Zielgruppe

Der Zertifikatslehrgang vermittelt fundiertes Wissen in der Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit und richtet sich insbesondere an:

  • Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, die sich als Schiedsrichter qualifizieren oder Schiedsverfahren professionell anwaltlich vertreten wollen.
  • Syndikusanwältinnen und Syndikusanwälte, die Unternehmen in Wirtschaftskonflikten beraten und Schiedsverfahren strategisch begleiten wollen.
  • Wirtschaftsjuristinnen und Wirtschaftsjuristen, die ihre Kompetenzen im Bereich der Schiedsgerichtsbarkeit ausbauen möchten.
  • Richterinnen und Richter sowie Notarinnen und Notare, die sich als Schiedsrichter qualifizieren wollen.
  • Sachverständige, die sich im Schiedsrecht qualifizieren wollen, um in Schiedsverfahren mitzuwirken.

Veranstaltungsinhalte

In diesem praxisorientierten Lehrgang lernen Sie die Abläufe der Schiedsgerichtsbarkeit kennen. Sie erhalten das nötige Fachwissen sowie Kommunikations- und Verhandlungsstrategien, um Schiedsverfahren professionell zu führen oder als Parteivertreter zu agieren oder als Unternehmensjurist zu begleiten. Die Ausbildungsinhalte werden in Praxismodulen kompakt und interaktiv von ausgewiesenen Expert/-innen der Schiedsgerichtsbarkeit vermittelt (Änderungen/Anpassungen bleiben vorbehalten). Ergänzend wird Fachmaterial zum fakultativen Selbststudium angeboten.

Folgende Inhalte erwarten Sie im Detail:

Modul I

Grundlagen der Schiedsgerichtsbarkeit

  • Ziele der Schiedsgerichtsbarkeit
  • Begriff, Bedeutung und Arten der Schiedsgerichtsbarkeit, insb. institutionelle vs. Ad-hoc-Schiedsgerichtsbarkeit
  • Vor- und Nachteile der Schiedsgerichtsbarkeit, insb. Parteiautonomie, Vertraulichkeit, neutrales Forum, Flexibilität, Verfahrensdauer und Kosten, Vollstreckbarkeit
  • Abgrenzung zu der staatlichen Gerichtsbarkeit unter Berücksichtigung der Commercial Courts und Commercial Chambers
  • Schiedsorganisationen und Schiedsgerichtsordnungen, insb. SGH-Schiedsregeln

Schiedsvereinbarung

  • Arten der Schiedsvereinbarung
    • Schiedsabrede
    • Vertragliche Schiedsklausel
    • Statuarische Schiedsklausel (Gesellschaft/Verband/Verein)
    • Multi-Tier-Klauseln
  • Inhalt einer Schiedsklausel (Endgültigkeit, Bestimmtheit, Schiedsorganisation usw.)
  • Zustandekommen der Schiedsvereinbarung (Trennungsprinzip, anwendbares Recht, Vertragsrecht)
  • Schiedsort, anwendbares Recht und Verfahrenssprache
  • Wirksamkeit der Schiedsvereinbarung/Unwirksamkeitsgründe
    • Objektive/subjektive Schiedsfähigkeit
    • Formvorschriften
    • Heilung und rügelose Einlassung
  • Pathologische Klauseln
  • Erlöschen der Schiedsvereinbarung
  • Wirkung der Schiedsvereinbarung
    • Einrede vor staatlichen Gerichten, Verfahren nach § 1032 Abs. 2 ZPO
    • Entscheidung des Schiedsgerichts über die Wirksamkeit

Schiedsorganisation, Schiedsrichter, Parteien, Parteivertreter

  • Rolle, Haltung, Pflichten und Kompetenz eines Schiedsrichters
    • Qualifikation und Qualitätssicherung
    • Unabhängigkeit und Unparteilichkeit
    • Berufsrecht, Herkunftsberuf
    • Pflichten am Beispiel der SGH-Schiedsregeln
  • Parteien des Schiedsverfahrens
    • Partei- und Prozessfähigkeit
    • Subjektive Schiedsfähigkeit
  • Rolle der Parteivertreter
    • (fehlender) Anwaltszwang; Syndikusrechtsanwälte als Parteivertreter
    • Verfahrensförderung, Wahrheitspflicht
    • Vergütung
  • Aufgaben und Rolle der Schiedsorganisation

Bildung des Schiedsgerichts im administrierten Schiedsverfahren (SGH-Schiedsregeln)

  • Anzahl der Schiedsrichter (Einzelschiedsrichter, Vorsitzender, Beisitzer)
  • Schiedsrichterauswahl
    • Auswahlkriterien und Auswahlverfahren
  • Verfahren zur Schiedsrichterbestellung
    • Einzelschiedsrichter/Dreierschiedsgericht
    • Konfliktcheck und Unabhängigkeitserklärung des Schiedsrichters
  • Ablehnung von Schiedsrichtern
    • Ablehnungsverfahren am Bsp. der SGH-Schiedsregeln
    • Ablehnungsgründe
    • IBA Guidelines on Conflicts of Interest
  • Rücktritt, Austausch und Ersetzung von Schiedsrichtern
  • Nutzung der Verfahrensmanagementplattform des SGH (VMP)

MODUL II

Durchführung eines Schiedsverfahrens

  • Allgemeine Verfahrensgrundsätze (Gleichbehandlung der Parteien, rechtliches Gehör, Vertraulichkeit, Fristen unter Berücksichtigung der VMP)
  • Fast-Track-Schiedsverfahren
  • Verfahrenseinleitung über VMP des SGH
    • Verfahrensbeginn
    • Schiedsantrag, Schiedsklage
    • Bearbeitungskosten/Sicherheitsleistungen
  • Strukturgespräch/Organisationskonferenz/Verfahrensbeschleunigung
    • Schiedsauftrag und Zeitplan
  • Klageerwiderung
    • Aufrechnung und Widerklage
    • Aussetzung des Verfahrens
    • Verfahrensverbindung und Beitritt Dritter
    • Streitverkündung (Grundlagen)
  • Mündliche Verhandlung (in Präsenz, online, hybrid)
    • Ort, Organisation, Logistik und Technik
    • Ablauf
    • Protokollierung
  • Beweiserhebung
    • SGH-Schiedsregeln, IBA Rules on the Taking of Evidence
    • Beweismittel und Beweisaufnahme
    • Urkunden/Dokumente/Augenschein
    • Zeugenvernehmung, Cross Examination, Witness Conferencing
    • Sachverständigenbeweis, Bestellung und Ablehnung von Gutachtern
  • Säumnis einer Partei
  • Schluss der mündlichen Verhandlung

Vergleichsgespräche im Schiedsverfahren

  • Zulässigkeit und Grenzen von Vergleichsgesprächen im Schiedsverfahren (Äußerung der vorläufigen Rechtsauffassung, schiedsrichterliche Hinweise, Vertraulichkeit, Neutralität)
  • Verhandlungsdynamik (Interessen vs. Positionen, Einflussfaktoren auf Vergleichsbereitschaft, Einigungshindernisse und Entscheidungsfallen)
  • Verhandlungsstrategien (Timing, Taktiken für Vergleichsgespräche, BATNA-Analyse)
  • Rolle des Schiedsgerichts in Vergleichsgesprächen (aktive/passive Vergleichsförderung, Neutralität, Gestaltung durch das Tribunal)
  • Besondere Vergleichsformate (Mediation-Window, Settlement Conference, Caucus)
  • Mediationslösungen (externer Mediator, MedArb, ArbMed)
  • Rechtliche Wirkung von Vergleichsvereinbarungen im Schiedsverfahren (Schiedsspruch mit vereinbartem Wortlaut, §1053 ZPO / Art. 30 UNCITRAL-Modellgesetz, Vollstreckbarkeit nach New-York-Convention)
  • Praxisübungen und Verhandlungssimulation (Settlement Conference)
  • Checklisten, Musterklauseln und Handlungsempfehlungen

Modul III

Schiedsspruch

  • Entscheidungsfindung durch das Schiedsgericht (Beratung und Abstimmung)
  • Anwendbares Recht (Parteivereinbarung, zwingendes Recht, Billigkeitsentscheidung / Ex aequo et bono)
  • Schiedsspruch (Form, Dissenting Opinion, Übersendung, Veröffentlichung)
  • Schiedsspruch mit vereinbartem Wortlaut
  • Berichtigung, Auslegung oder Ergänzung des Schiedsspruchs
  • Sonderformen des Schiedsspruchs
    • Teil-, Zwischen-, Vorbehaltsschiedsspruch
    • Anerkenntnisschiedsspruchs
    • Verzichts- und Säumnisschiedsspruch
  • Beendigung des Schiedsverfahrens auf andere Weise, Beendigungsbeschluss
  • Rechtsmittel gegen den Schiedsspruch
  • Überprüfung des Schiedsspruchs im institutionellen Verfahren

Wirtschaftliche Situation, Kostenfragen, Kostenentscheidung

  • Verfahrenskosten/Kostenarten
    • Bearbeitungsgebühren
    • Schiedsrichterhonorare und Auslagen
    • Parteikosten (Personal, Parteivertreter, Opportunitätskosten)
    • Transaktionskosten (Übersetzung, Protokollierung, Reisekosten)
    • Kosten der Beweisaufnahme
  • Kostenentscheidung
    • Arten der erstattungsfähigen Kosten
    • Kostenfestsetzung
  • Vergütung der Schiedsrichter
    • Kostenvorschuss
    • Honorar und Abrechnung
    • Steuerrechtliche Fragestellungen
  • Tools zur Kostenbestimmung: SGH-Kostenrechner

Anerkennung, Vollstreckbarerklärung und Aufhebung von Schiedssprüchen

  • Sonderzuständigkeit der Oberlandesgerichte/Commercial Courts
    • Verfahren
    • Kosten
    • Rechtsmittel
  • Nichtigkeit und Aufhebbarkeit
  • Abgrenzung in- und ausländischer Schiedsspruch
  • Aufhebung von Schiedssprüchen
    • Aufhebungsgründe und Präklusion von Aufhebungsgründen
    • Entscheidung und Einwendungen
    • Rechtsmittel
  • Rechtsfolgen der Aufhebung, Zurückverweisung an das Schiedsgericht
  • Vollstreckung inländischer Schiedssprüche
  • Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche
    • Verfahren und Entscheidung
    • Aufhebungsgründe nach dem UNÜ
  • Vorläufige Vollstreckung
  • Materielle Einwendungen im Vollstreckungsverfahren

Modul IV

Schiedsverfahren im internationalen Bereich

  • Rechtlicher Rahmen der Internationalen Schiedsgerichtsbarkeit (Einfluss nationaler Rechtssysteme, Lex Fori, Anwendung europäischen Rechts, Common Law / Civil Law)
  • Internationale Regelwerke, u. a. UNCITRAL Arbitration Rules, New York Convention on Regocnition and Enforcement of Foreign Arbitral Awards, ICSID Convention (Washington Convention), IBA Rules und Guidelines, ICC Rules on Arbitration
  • Internationale Schiedsorganisationen und Institutionen (z. B. ICC, LCIA, AAA, VIAC, CIETAC)
  • Verfahrensbesonderheiten internationaler Schiedsverfahren (Pre-Hearing, Procedural Orders, Witness Testimony / Cross Examination / Witness-Conferencing, Document Production)
  • Praktische Erfahrungen mit internationalen Schiedsverfahren, Simulation

Abschlussprüfung

  • Schriftliche Bearbeitung einer Praxisaufgabe
  • Präsentation und Diskussion im Lehrgang

Schiedsrichter/-in für Wirtschaftsstreitigkeiten IHK

Regionaler Zertifikatslehrgang der IHK Akademie München und Oberbayern

Lehrgang „Schiedsrichter/-in für Wirtschaftsstreitigkeiten IHK“ anfragen: So funktioniert’s

  1. Betätige den Button „Jetzt Termin aussuchen & anfragen“.
  2. Wähle Datum und Ort für deine Weiterbildung aus und betätige den Button „Fortfahren“.
  3. Gib im nächsten Schritt deine persönlichen Daten ein. Wenn du über deinen Arbeitgeber diese Veranstaltung anfragen möchtest, gib bitte die Firmenanschrift als Adresse an.
  4. Nach einem Klick auf „Fortfahren“ kannst du auf der nächsten Seite deine Eingaben final überprüfen.
  5. Schick deine Anmeldung ab, indem du den Button „Unverbindliche Anfrage absenden“ betätigst. Die Anfrage ist unverbindlich und kostet dich in diesem Schritt kein Geld.
  6. Du bekommst eine Bestätigungs-E-Mail von uns, in der deine Anfrage noch einmal wiedergegeben ist.

Schiedsrichter/-in für Wirtschaftsstreitigkeiten IHK

Regionaler Zertifikatslehrgang der IHK Akademie München und Oberbayern

Hinweise

  • Die IHK-Weiterbildungen können regional bedingt in Umfang, Methode, Inhalt und Dauer bis zu ± 20% variieren.
  • Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.